Wir reden mit!

Rinder

Ursprung:
Das Rind wurde vor mehr als 10.000 Jahren domestiziert. Durch DNA-Analysen konnte festgestellt werden, dass das Hausrind auf Rinder zurückgeht, die seinerzeit in Gebieten des heutigen Syriens und Anatoliens angesiedelt waren.

Rinder sind Herdentiere. In der Herde gibt es klar definierte Rangfolgen, die über lange Zeit Bestand haben. Zu wenig Liegefläche, Futter oder Wasser können zu Auseinandersetzungen innerhalb der Herde führen, da ranghöhere Tiere die rangniederen verdrängen.

Rinder dienten lange Zeit sowohl als Zug- bzw. Arbeitstier sowie als Milch- und Fleischlieferant. Entsprechend wurde weltweit gemäß den speziellen Nutzungs- und Haltungsanforderungen eine Vielfalt von Rassen gezüchtet. Aufgrund der Spezialisierung sind Hochleistungsrassen entstanden, während alte und meist regionaltypische Landrassen vom Aussterben bedroht sind. Gegenwärtig wird in Deutschland hauptsächlich zwischen Einnutzungsrassen (Fleisch- oder Milcherzeugung) sowie Doppelnutzungsrassen (Fleisch- und Milcherzeugung) unterschieden.

Verhalten:
Die meisten Rinderrassen sind horntragend. Für das Sozialverhalten der Tiere sind diese von großer Wichtigkeit. Sie betonen das Imponiergehabe der Tiere, wodurch verletzungsträchtige Rangkämpfe vermieden werden. Hörner können aber auch als Waffe bei Angriffen eingesetzt werden.

Rinder sind Wiederkäuer und haben daher andere Ansprüche an das Futter als z. B. Schweine oder Geflügel. Sie brauchen strukturreicheres Futter, welches sie in einem komplexen Magensystem (vier Mägen: Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen) vorverdauen, aufspalten und für die weitere Verarbeitung im Verdauungstrakt vorbereiten. Dadurch können auch schwerverdauliche pflanzliche Bestandteile aufgespalten werden und den Tieren als Nahrung zur Verfügung gestellt werden. Rinder fressen am Tag über 15 kg Trockenmasse (Futter ohne das darin enthaltene Wasser), dies entspricht ca. 50 kg frischem Gras, Kräutern und Klee. Aufgrund des besonderen Verdauungssystems können Rinder in kurzer Zeit große Mengen Futter aufnehmen, um es später beim Wiederkäuen in Ruhe zu verdauen. In ihrem ursprünglichen Lebensraum bewegen sich Rinder zur Futteraufnahme ca. sechs bis acht Stunden und verbringen ca. fünf bis neun Stunden täglich mit Wiederkäuen. Neben der großen Menge an Futter braucht ein Rind auch mindestens 80 l Wasser. Deshalb muss ein ständiger Zugang zu sauberem und frischem Tränkwasser gewährleistet sein.

Aktuelle Nutzungs-/Haltungsbedingungen:
Da das Rind in Deutschland seine Bedeutung als Zugtier verloren hat, unterscheidet man bei der Rinderhaltung drei verschiedene Betriebszweige: Milchrinderhaltung (Kälberaufzucht angeschlossen), Kälbermast und Bullenmast.

Vorwiegend werden in Niedersachsen schwarzbunte Rinder gehalten. Diese Kühe haben ein Gewicht von 600-700 kg, wobei das Kalb bei der Geburt ca. 35-45 kg wiegt.

Darüber hinaus können sich Rinder sehr gut an verschiedene Temperaturen anpassen. Sie verkraften Kälte allerdings deutlich besser als Hitze. Bei Kälte benötigen sie neben ausreichend Futter und einem trockenen Liegeplatz auch einen Windschutz. Daher ist bei Stallhaltung das Kaltstallsystem am besten für sie geeignet.

Kälber benötigen schon sehr früh Raufutter und haben u. a. ein großes Bewegungsbedürfnis. Der Sozialkontakt zu anderen Kälbern ist für eine tiergerechte Haltung Voraussetzung.

Themen des Tierschutzplans Niedersachsen:
Milchrinder

NOTIZEN

Im Jahr 2010 gab es einen Bestand von
0,330 Millionen Schlachtrindern in Niedersachsen!

  • Lebenszeit/Nutzungsdauer

    Die natürliche Lebenserwartung von Rindern liegt bei 12-15 Jahren. Dagegen liegt die derzeitige durchschnittliche Nutzungsdauer der Tiere bei 2,5 Laktationen (= 4,5 Lebensjahren). Nur sehr wenige Tiere erreichen gegenwärtig eine Nutzungsdauer von mehr als 10 Laktationen. Zu den Abgangsursachen zählen u. a. Eutererkrankungen und Fruchtbarkeitsprobleme, sowie Klauen- und Stoffwechselerkrankungen. Die Milchkühe haben durch züchterische Selektion ein hohes Leistungsniveau erreicht. Diese Leistungsveranlagung der Milchrinder stellt die Tierhalterin oder den Tierhalter vor hohe Anforderungen an das betriebliche Management. Nur bei intensivem und an die Bedürfnisse der Milchkühe angepasstem Management sowie bei leistungsangepasster Fütterung können die Milchkühe langfristig gesund bleiben und gleichzeitig die gewünschte Leistung zeigen. Neben der Milchleistung sind die Nutzungsdauer und die Langlebigkeit der Milchkühe für die Wirtschaftlichkeit von großer Bedeutung.

    Ziel: Im Rahmen des Tierschutzplans soll die Gesamtvitalität in der Zucht von Milchkühen und beim Management in der Milchrinderhaltung mehr Berücksichtigung finden, um die Langlebigkeit und damit die Nutzungsdauer bei guter Milchleistung zu verlängern.

    Sachstand: Zur Beurteilung der Haltungsbedingungen wurden Tierschutzindikatoren (u. a. Lahmheit, Abgangsrate) erarbeitet. Weiterhin wurde das Pilotprojekt „Prävalenzen von Tierschutzrelevanten Indikatoren bei Milchkühen in niedersächsischen Milchviehbetrieben“ abgeschlossen.

  • Einschränkung des arteigenen Verhaltens

    Wildrinder leben in festen Herdenverbänden in unterschiedlichsten Lebensräumen und Klimazonen und sind ursprünglich Steppentiere. Das bedeutet, dass sie es gewohnt sind, den ganzen Tag in Bewegung zu sein, um Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen. Nach der Nahrungsaufnahme legen sich die Tiere hin, um mit dem Wiederkäuen und dem Verdauungsprozess zu beginnen. Auch in den heutigen Haltungsbedingungen sollte es den Tieren möglich sein, ihr arteigenes Verhalten weitestgehend auszuüben, um u. a. Krankheiten und Verletzungen vorzubeugen.

    Ziel: Der Tierschutzplan Niedersachsen setzt sich für einen Ausstieg aus der Anbindehaltung ein. Zudem soll den Tieren bei ganzjähriger Stallhaltung im Boxenlaufstall mindestens ein Laufhof angeboten werden, sofern die Tiere in den Ställen zu wenig Klimareize (Licht/Luft) erfahren oder ihnen im Stall zu wenig Verkehrsfläche für Bewegungsaktivitäten zur Verfügung steht.

    Sachstand: Die Facharbeitsgruppe hat zu den o. g. Sachverhalten Konzepte vorgelegt, deren Umsetzung in die Praxis in Vorbereitung ist.

  • Enthornen von Kälbern

    Rindern wachsen im Regelfall Hörner, genetisch hornlose Tiere sind die Ausnahme. Die Hörner dienen sowohl der Verteidigung gegen Angreifer und bei Rangordnungskämpfen als auch zur Verstärkung des Imponiergehabes. In herkömmlichen Ställen kann es durch horntragende Rinder zu schweren Verletzungen bei Rangkämpfen kommen, da die Tiere in einem Stall weniger Ausweichmöglichkeiten haben als in der freien Wildbahn. Außerdem ist die Unfallgefahr für den Menschen bei der Haltung von Rindern mit Hörnern deutlich höher und aus Sicht des Arbeitsschutzes sehr kritisch zu betrachten. Nach geltendem Recht dürfen Kälber bis zur sechsten Lebenswoche ohne Betäubung mittels Brenneisen enthornt werden. So wird die Hornananlage zerstört und im weiteren Verlauf kein Horn ausgebildet. Das derzeitige betäubungslose Enthornen der Kälber bedeutet für die Tiere Stress sowie Schmerzen während und nach dem Eingriff. Weitere Folgen können u. a. Verhaltensdepressionen, verminderte Futteraufnahme und vermindertes Erkundungsverhalten sein. Dieser Zustand kann über einige Tage andauern.

    Ziel: Da das Enthornen ein sehr schmerzhafter Vorgang ist, plant Niedersachsen den Ausstieg aus dem betäubungslosen Enthornen von Kälbern. Neben der Betäubung kann langfristig die Zucht von genetisch hornlosen Rindern zum Verzicht auf den Eingriff beitragen.

    In Betrieben, die gemäß der EU-Öko-Richtlinie wirtschaften, ist das Enthornen von Kälbern nicht zulässig. Diese Betriebe müssen u. a. zur Vermeidung von Verletzungen der Tiere untereinander über entsprechend dimensionierte Stallungen verfügen. Gleichwohl ist die Haltung horntragender Tiere aufgrund der oben beschriebenen Verletzungsgefahren keine Option für die breite Praxis.

    Sachstand: Die Schmerzausschaltung während des Enthornens nach dem folgenden dreistufigen Verfahren wird langfristig präferiert:

    1. Minimierung des postoperativen Schmerzes (durch Behandlung des Kalbes mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAID unmittelbar vor dem Eingriff und 24 Stunden nach dem Eingriff)
    2. Sedierung des Kalbes
    3. Örtliche Schmerzausschaltung während des Eingriffs

    Aktuell liegt ein Erlass zum Verzicht auf das betäubungslose Enthornen vor und ist von den Tierhalterinnen und Tierhaltern zu beachten. Er berücksichtigt die geltende Rechtslage hinsichtlich der Verabreichung von Medikamenten durch Tierhalterinnen und Tierhalter und beinhaltet daher das vorerst zweistufige Verfahren:

    Vor dem Eingriff sind zumindest ein Sedativum und ein mindestens 24 Stunden wirksames Schmerzmittel in ausreichender Menge und hinreichend zeitlichem Abstand zu verabreichen. Sofern der Eingriff und die erforderlichen Arzneimittelgaben durch die Tierhalterin oder den Tierhalter erfolgen, sollte dieser seine fachliche Einweisung in diese Tätigkeiten durch eine tierärztliche Bestätigung nachweisen können.

  • Kälberverluste

    Die Kälberverluste, z. B. durch Atemwegserkrankungen, Durchfälle und einen erhöhten Arzneimitteleinsatz, sind derzeit nicht nur aus tierschutzfachlicher, sondern auch ökonomischer Sicht relevant.

    Ziel: Im Rahmen des Tierschutzplans soll deshalb ein Managementleitfaden auf Basis von Tierschutzindikatoren für Kälber haltende Betriebe erarbeitet werden, der der Tierhalterin oder dem Tierhalter hilft, die Verluste bei gleichzeitig reduziertem Arzneimitteleinsatz zu senken und die Kälbergesundheit zu verbessern.

    Sachstand: Der „Leitfaden für eine optimierte Kälberaufzucht“ liegt vor.

  • Verzicht auf das Amputieren von Schwänzen bei Bullen

    In der Bullenmast werden die Tiere meist ohne Stroh auf Vollspaltenböden in Buchten gehalten. Beim Ablegen der Tiere kann es zu Verletzungen der Schwanzspitzen durch gegenseitiges Drauftreten und Abknicken der Schwanzspitze an den Betonspalten kommen. Um diese schwerwiegenden Verletzungen zu verhindern, werden einigen Bullen die Schwanzspitzen amputiert. Am Ende der Mast können die hohen Besatzdichten Stress verursachen. Schlechtes Stallklima, verbunden mit erhöhten Ammoniakgehalten, wenig Lichteinfall sowie eine mangelhafte Frischluftzufuhr, kann zu weiteren Problemen führen.

    Ziel: Neben dem generellen Verzicht auf das Schwanzspitzenkürzen sollen auch Tierschutzleitlinien für die Bullenhaltung entwickelt werden.

    Sachstand: Eine Arbeitsgruppe hat mit den Arbeiten an einer „Leitlinie für die Bullenhaltung“ begonnen.