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Pferde

Ursprung:
Es gibt unterschiedliche Theorien, wann und wo das Wildpferd ─ die Stammform des Hauspferdes ─ domestiziert wurde. Wahrscheinlich ist ein Zeitraum zwischen 5.000 bis 3.000 v. Chr. in Zentralasien.

Verhalten:
Wildpferde leben in Herdenverbänden mit einer sogenannten Leitstute und einem Leithengst. Der Leithengst ist für den Schutz und die Erhaltung (Fortpflanzung) und die Leitstute für die Versorgung (Führen zu Futter- und Rastplätzen) der Herde zuständig. Pferde sind Steppentiere, d. h. ihr Verdauungsapparat ist darauf ausgelegt, Raufutter aufzunehmen, zu aufzuschlüsseln und zu verdauen. Außerdem sind es Fluchttiere, die Gefahren instinktgesteuert zuallererst durch schnelle Flucht abzuwenden versuchen.

Aktuelle Nutzungs-/Haltungsbedingungen:
Um möglichst den Anforderungen an eine tiergerechte Haltung zu entsprechen, sind die Haltungsbedingungen in den Ställen an diese Charaktereigenschaften der Tiere anzupassen. Die unabdingbaren Voraussetzungen hierfür sind ausreichend Licht, Luft, Bewegung, Sozialkontakt sowie geeignetes Futter.

In der Vergangenheit waren Pferde für eine schnelle Fortbewegung von großer Wichtigkeit. Sie waren daher eindeutig den landwirtschaftlichen Nutztieren zuzuordnen, wurden vorwiegend als Reit- und Arbeitstiere gehalten und lieferten auch Fleisch. Letztere Nutzung ist gegenwärtig in Deutschland kaum von Bedeutung.

Bilder: © Dr. Andreas Franzky

Themen des Tierschutzplans Niedersachsen:
Die Facharbeitsgruppe Pferde wurde 2014 als Ergänzung in den Tierschutzplan Niedersachsen aufgenommen und widmet sich vorrangig folgenden Sachverhalten:

Im Jahr 2010 gab es einen Bestand von
0,078 Millionen Pferde in Niedersachsen. Davon waren im Jahr 2013 0,022 Millionen eingetragene Zuchttiere!

  • Verzicht auf Schenkelbrand

    Der Schenkelbrand als Brandzeichen diente der Kennzeichnung von Tieren (ursprünglich bei Pferden und Rindern). Zur Kennzeichnung von Pferden wird auch heute noch ein glühendes Eisen (Heißbrand) aufgebrannt, das im Wesentlichen der Zuordnung des Tieres zu einem Zuchtverband dient. Das Brennen verursacht die Bildung von Narbengewebe, so bleibt ein Brandzeichen sichtbar. In Deutschland ist es üblich, Pferde durch eine Kombination aus Rassebrand und eine durch den Zuchtverband vergebene Nummer zu kennzeichnen. Die Brandzeichen werden üblicherweise auf der linken Hinterhand angebracht. Zur eindeutigen Identifizierung von Pferden ist inzwischen die Kennzeichnung mit einem elektronischen Chip (Transponder) EU-weit gesetzlich verankert. Mittlerweile gibt es daher Zuchtverbände, die nicht mehr verpflichtend den zusätzlichen Brand fordern. In anderen Zuchtverbänden dagegen ist die Doppelkennzeichnung mittels Schenkelbrand und Transponder immer noch verpflichtend. Dies wird damit begründet, dass der Brand als Qualitätskennzeichen zu verstehen ist, das der Züchterin oder dem Züchter sehr gute Vermarktungschancen eröffnet, verbunden mit einer erhöhten Zahlungsbereitschaft der Käufer/innen. In der Kritik stehen u. a. die mit dem Brand einhergehenden Schmerzen für das Tier. Weiterhin wird bemängelt, dass in der Mehrzahl der Fälle der Brand nicht eindeutig lesbar sei und somit keine Identifikation des Einzeltieres erlaube.

    Ziel: Verzicht auf den Schenkelbrand.

    Sachstand: In der zuständigen Facharbeitsgruppe des Tierschutzplans werden verschiedene Möglichkeiten zur Zielerreichung diskutiert.

  • Tierschutzgerechte Pferdehaltung

    Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat bereits im Jahr 2009 „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten“ veröffentlicht. Diese sind laut BMEL eine Orientierungs- und Auslegungshilfe bei der Anwendung der einschlägigen Rechtsvorschriften, aber keine Rechtsgrundlage. Amtstierärztinnen und -ärzte überprüfen bei Kontrollen von pferdehaltenden Betrieben, ob die Leitlinien eingehalten werden.

    Ziel: Bei Reiter(inne)n, Pferdebesitzer(inne)n, Pferdepensionsbetreiber(inne)n und Züchter(inne)n soll eine positive Akzeptanz der Leitlinien geschaffen und eine einheitliche Umsetzung in Niedersachsen vorangebracht werden.

    Sachstand: In der zuständigen Facharbeitsgruppe des Tierschutzplans werden Ideen gesammelt, wie Anreize geschaffen werden können.