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Legehennen

Ursprung:
Als Legehennen werden die Hühner bezeichnet, die ausschließlich für die Eierproduktion gezüchtet wurden. Die heutigen Legehennen sind sogenannte Legehybride, d. h. sie sind ein Kreuzungsprodukt aus verschiedenen Linien (Rassen). Sie unterscheiden sich von den Mastlinien (-rassen), bei denen vorrangig eine schnelle Gewichtszunahme verbunden mit einer guten Verwertung des Futters von großer Bedeutung ist. Diese Lege- oder Mastrassen werden auch als Einnutzungsrassen bezeichnet.

Verhalten:
Nach der Bebrütung und dem Schlupf werden bei Legehennenrassen die Eintagsküken nach Geschlechtern getrennt. Die weiblichen Küken werden aufgezogen und als Junghenne (bis kurz vor Beginn der Legeperiode) in einem Aufzuchtstall gehalten. Bereits hier sollen die Tiere an das zukünftige Haltungssystem gewöhnt werden. Die männlichen Eintagsküken werden in der Regel nicht aufgezogen, denn genetisch sind sie auf hohe Legeleistungen (siehe oben) ausgelegt, aber nicht auf hohe Tageszunahmen. Da für die meisten Betriebe die Haltung dieser Tiere unwirtschaftlich ist, dienen sie derzeit noch als Futtertiere.

Aktuelle Nutzungs-/Haltungsbedingungen:
Eine Alternative hierzu ist gegenwärtig beispielsweise die Haltung von Zweinutzungsrassen („duales Huhn“), die entweder als Legehennen oder als Masttiere gehalten werden können. Da ihre Leistungen deutlich hinter denen der Einnutzungsrassen liegen, ist ihre Haltung wirtschaftlich oft uninteressant und daher von untergeordneter Bedeutung. Mittelfristig dürfte die Geschlechterdifferenzierung im Ei in der breiten Praxis zum Einsatz kommen mit der Folge, dass das Töten von männlichen Eintagsküken zu Futterzwecken nicht mehr zulässig ist.

Alle in Deutschland gehaltenen Legehennen (Elterntiere, Junghennen und Legehybride) werden in Bodenhaltungs- oder Freilandhaltungssystemen gehalten. Die Käfighaltung ist seit 2007 in Deutschland verboten.

Wesentlich für eine tiergerechte Haltung und die Vermeidung von Verhaltensstörungen ist das Ausübenkönnen typischer Verhaltensweisen wie z. B. Futtersuche, Sandbaden, Sitzen und Nestbau. Wie alle Haushühner stammen auch die Legehennen von dem südostasiatischen Bankivahuhn ab (zur Abstammung und zum Verhalten: siehe Masthühner).

Themen des Tierschutzplans Niedersachsen:
Konkret sieht der Tierschutzplan Niedersachsen folgende Ziele vor:

NOTIZEN

Im Jahr 2013 wurden
4,316 Milliarden Eier in Niedersachsen produziert!

  • Kürzen der Schnabelspitze

    Der Schnabel der Legehenne ist ein sensibles und komplexes Tastorgan. Die Tiere können so in der Erde nach Nahrung suchen (picken) und die aufgenommenen Partikel prüfen. Neben der Nahrungssuche brauchen die Tiere ihren Schnabel für die Gefiederpflege. Mehrmals am Tag durchkämmen die Tiere die Federn und entfernen Schmutz sowie Parasiten, die sich auf der Haut befinden. Dadurch wird das Federkleid gepflegt und die Tiere bleiben gesund.

    In der konventionellen Legehennenhaltung werden bei ca. 90 % der Tiere routinemäßig die Schnabelspitzen der Küken gekürzt, um die Auswirkungen von Federpicken und Kannibalismus zu verringern. Federpicken und Kannibalismus sind multifaktoriell bedingt, d. h. dieses Fehlverhalten, das generell aus einer nicht tiergerechten Haltung resultiert, kann aufgrund vieler verschiedener Faktoren (beispielsweise Futter, Stress, Genetik, reizarme Umwelt) mit unterschiedlicher Gewichtung auftreten.

    Ziel: Verzicht auf das Schnabelkürzen bei Legehennen in Niedersachsen bis Ende 2016.

    Sachstand: Die Facharbeitsgruppe Legehennen hat "Empfehlungen zur Verhinderung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus" mit Hinweisen zu optimierten Haltungsbedingungen und optimiertem Management erarbeitet, die Tierhalterinnen und Tierhaltern konkrete Hilfestellungen für die Haltung von Legehennen mit ungekürztem Schnabel geben. Diese werden derzeit unter wissenschaftlicher Betreuung der Tierärztlichen Hochschule Hannover und der Universität Osnabrück in zwei Projekten mit rund 100.000 schnabelungekürzten Tieren optimiert (Bilder aus dem Projekt siehe www.tierschutzplan-eier.de).

  • Haltung von Junghennen

    Junghennen müssen auf das spätere Haltungssystem vorbereitet werden, damit sie in der Lage sind, Futter, Wasser, Sitzstangen und Nester zu finden und zu nutzen. Die Aufzuchtbedingungen haben großen Einfluss auf die spätere Neigung der Tiere zu Federpicken und Kannibalismus. Bisher fehlen spezialgesetzliche Regelungen mit EU- bzw. bundesweiter Gültigkeit.

    Ziel: Ergänzung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) um Anforderungen an die Junghennenaufzucht.

    Sachstand: Ein Vorschlag zur Ergänzung der TierSchNutztV wird erarbeitet.

  • Haltung von Legehennenelterntieren

    Bisher fehlt eine spezialgesetzliche Regelung für die Haltung von Legehennenelterntieren mit EU- bzw. bundesweiter Gültigkeit.

    Ziel: Ergänzung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) um Anforderungen an die Legehennenelterntierehaltung.

    Sachstand: Die Arbeitsgruppe hat einvernehmlich Anforderungen an die Haltung festgelegt, die ebenfalls zur bundesweiten Gültigkeit in die TierSchNutztV eingebracht werden sollen. Für die Übergangszeit sollen die Vorgaben per Erlass umgesetzt und von den niedersächsischen Behörden angewandt werden.

  • Kleingruppenhaltung

    Das Bundesverfassungsgericht hat am 12. Oktober 2010 die besondere Regelung zur Kleingruppenhaltung von Legehennen (§ 13b TierSchNutztV) für nichtig erklärt. Nach der Übergangsfrist sind die bisherigen Regelungen zur Kleingruppenhaltung Ende März 2012 ausgelaufen. Derzeit gelten lediglich § 2 Tierschutzgesetz und die allgemeinen Bestimmungen der TierSchNutztV. Wissenschaftliche Untersuchungen stellen die Tiergerechtheit der Kleingruppenhaltung in Frage; bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz.

  • Männliche Eintagsküken (Legelinien)

    Männliche Küken aus Legehennenlinien lassen sich nicht als Masthühner vermarkten. Sie werden in der Regel als Eintagsküken getötet und z. B. an Zoos für die Verfütterung abgegeben.

    Ziel: Verzicht auf das Töten männlicher Küken aus Legehennenlinien.

    Sachstand: Neben ersten Ansätzen, einen Teil der „männlichen Leger" über spezielle Vermarktungsschienen – z. B. als "Stubenküken" (< 650 g Schlachtgewicht) – in den menschlichen Verzehr zu bringen oder das "Zweinutzungshuhn" erneut zu etablieren, laufen intensive Forschungsarbeiten insbesondere an der Universität Leipzig, um bereits im Ei eine Geschlechtsdifferenzierung vornehmen zu können. Die Geschlechtsbestimmung anhand der unterschiedlichen Größe der Geschlechtschromosomen bei männlichen und weiblichen Tieren ab dem 3. Tag der Bebrütung mittels spektroskopischem, d. h. optischem, Verfahren stellt sich dabei momentan als vielversprechender Lösungsansatz dar.