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Enten/Gänse

Ursprung:
Die Facharbeitsgruppe Enten und Gänse widmet sich schwerpunktmäßig der Haltung von Peking- und Moschusenten, da diese aus wirtschaftlicher Sicht die größte Bedeutung haben.

Die Pekingente ist eine domestizierte Form der Stockente und aufgrund der Fleischleistung gut als Masttier geeignet.

Die Moschusente (auch als Warzenente, Flugente, Barbarieente, Bisamente, Türkenente oder Stummente bekannt) ist eine sehr große Entenart und stammt von südamerikanischen Warzenenten ab. Äußerlich unterscheidet sich die Moschusente deutlich von der heimischen Stockente, da sie ein warziges nacktes Gesicht, einen Schnabelhöcker und Krallen an den Schwimmfüßen hat.

Verhalten:
Da die Pekingente von den wildlebenden Stockenten abstammt, ist das natürliche Badebedürfnis stark ausgeprägt. Deshalb sollte im Hinblick auf eine tiergerechte Haltung als Minimalanforderung für die Gefiederpflege die Möglichkeit gewährleistet sein, zumindest den Kopf in Wasser eintauchen zu können. Als weitere Verhaltensweise sollte darüber hinaus den Tieren das Schwimmen ermöglicht werden.

Aktuelle Nutzungs-/Haltungsbedingungen:
Die Haltungsansprüche ähneln denen der Pekingente, wobei die Moschusente sich aggressiver im Verhalten zeigt.

Themen des Tierschutzplans Niedersachsen:
I. Pekingenten
II. Moschusenten

  • Pekingenten

    Konkret beinhaltet der Tierschutzplan Niedersachsen für die Pekingentenhaltung u. a. folgende Zielsetzung:

    Tiergerechtes Verhalten ermöglichen, hierzu gehören insbesondere die Gefiederpflege mit Wasser und das Badeverhalten

    In den üblichen Haltungssystemen werden Enten über Nippeltränken mit Wasser versorgt. Natürliche Verhaltensweisen wie das Baden, das Befeuchten der Augen und Nasenlöcher oder eine Pflege des Gefieders mit Wasser sind nicht möglich.

    Ziel: Entwicklung praxistauglicher Lösungen für die Ausübung des natürlichen Badeverhaltens.

    Sachstand: Im Rahmen eines Pilotprojekts werden verschiedene zusätzliche Wasserangebote untersucht:

    1) Eine Tränke in Trichterform zur Erfüllung der einschlägigen Europaratsempfehlung, nach der u. a. „Wasser (...) den Kopf bedecken und mit dem Schnabel aufgenommen werden können (soll), so dass sich die Enten problemlos Wasser über den Körper schütten können".

    2) Die Einrichtung einer sog. „Komfortzone“, die den Enten das Baden in einem Flachbecken mit offenem Wasser ermöglicht.

    • Pekingentenvereinbarung

    Die „Vereinbarung des ML und der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) über Mindestanforderungen an die Haltung von Pekingmastenten" vom 13. Januar 2003 wird nach wie vor bei der Beurteilung der ordnungsgemäßen Haltung von Pekingmastenten herangezogen.

    Ziel: Weiterentwicklung der „Pekingentenvereinbarung".

    Sachstand: Neben der Schaffung eines zusätzlichen Wasserangebots zur Gefiederpflege sollen die Managementempfehlungen an die aktuellen Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis angepasst werden.

    • Fußballengesundheit

    Ein Hinweisgeber (sog. Indikator) für ein „gutes" Management in der Geflügelhaltung ist die Fußballengesundheit der Tiere. Aufgrund feuchter Einstreu können bei Pekingenten entzündliche Veränderungen im Bereich der Fußballen entstehen. Anhand der Läsionen im Fußballenbereich können Rückschlüsse auf die Haltungsbedingungen und die Tiergesundheit gezogen werden. Feuchte Einstreu ist z. B. ein Hinweisgeber auf ein schlechtes Stallklima (beispielsweise zu viel Feuchtigkeit in der Luft), Stallmanagement (z. B. zu wenig oder schlechte Einstreu) oder Durchfallerkrankungen der Tiere (flüssigerer Kot als üblich). Die Fußballen der Tiere sind gegenüber feuchter Einstreu sehr empfindlich und reagieren mit Entzündungen, Verletzungen oder Veränderungen auf die o. g. Faktoren. Die Fußballen werden am Schlachthof untersucht und klassifiziert und dienen als sicherer Hinweisgeber über das Tierwohl im Stall.

    Ziel: Reduktion der Fußballenveränderungen.

    Sachstand: Ein Benotungssystem zur Beurteilung der Fußballenqualität am Schlachthof wurde erarbeitet und ein Monitoringsystem im Schlachtbetrieb etabliert. Die Festlegung von Tierschutzindikatoren ist durch die Fach-Arbeitsgruppen (Fach-AG) Enten und Gänse sowie die Fach-AG Tierschutzindikatoren erfolgt.

  • Moschusenten

    Die Ziele bei den Moschus- und Pekingenten überschneiden sich teilweise, da es sich hier um artverwandte Tiere handelt, die sich in ihren natürlichen Bedürfnissen ähneln wie z. B. bei der Gefiederpflege und dem Badeverhalten. Besonders in einer reizarmen Umgebung kommt es zu Fehlverhalten, dessen negative Auswirkungen (u. a. Federpicken, Kannibalismus) durch das Kupieren der Schnäbel minimiert werden sollen. Ergänzend ergeben sich weitere Anforderungen an die Haltung aufgrund des höheren Aggressionsverhaltens der Tiere.

    • Moschusentenvereinbarung

    Mit der Niedersächsischen „Vereinbarung zur Weiterentwicklung von Mindestanforderungen an die Haltung von Moschusenten" („Moschusentenvereinbarung") sind die Haltungsbedingungen für Moschusenten unter Berücksichtigung der einschlägigen Europaratsempfehlungen (Europäisches Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (ETÜ), Empfehlung in Bezug auf Moschusenten (Cairina moschata) und Hybriden von Moschusenten und Pekingenten (Anas platyrhynchos), angenommen am 22. Juni 1999) anhand der aktuellen Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis weiterentwickelt worden.

    Wesentliche Eckpunkte sind insbesondere:

    • eine management- bzw. von der Einhaltung eines Gesundheitskontrollprogramms abhängige Besatzdichte,
    • ein altersangepasstes Wasserangebot zur Gefiederpflege,
    • das Angebot von Einstreu und Beschäftigungsmaterial sowie
    • Maßnahmen zur Vorbeugung des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus einschließlich Notfallmaßnahmen.

    Bei Einhaltung der vorgenannten Anforderungen an die Haltung von Moschusenten wird die Unerlässlichkeit für den mit Schmerzen verbundenen Eingriff des Schnabelkürzens im Sinne des § 6 Abs. 3 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) nicht mehr als gegeben angesehen. Ausnahmegenehmigungen für die Durchführung dieser Amputation werden daher seit dem 31.12.2013 nicht mehr erteilt.

    • Kürzen der Schnabelspitze

    Der Schnabel des Geflügels ist grundsätzlich ein sensibles und komplexes Tastorgan. Die Tiere benötigen ihn zur Nahrungssuche (picken) und zur Prüfung der aufgenommen Partikel. Neben der Nahrungssuche ist der Schnabel für die Gefiederpflege erforderlich. Mehrmals am Tag durchkämmen die Tiere die Federn und entfernen Schmutz sowie Parasiten, die sich auf der Haut befinden. So wird das Federkleid gepflegt und die Tiere bleiben gesund. Um Federpicken und Kannibalismus der Tiere untereinander zu verhindern, wurde den Tieren bisher die vorderste Spitze des Schnabels kupiert, sodass eine gegenseitige Verletzung mit der scharfen Spitze nicht mehr möglich ist. Das Kupieren der Schnabelspitze ist durch das geltende EU-Recht zwar verboten. Dennoch wurde das Kupieren routinemäßig mit Erteilung einer Ausnahmegenehmigung durchgeführt. Seit dem 31.12.2013 ist das routinemäßige Kupieren der Schnabelspitze bei Moschusenten in Niedersachsen nicht mehr erlaubt.

    Die Vereinbarung ist z. B. in Bezug auf Struktur, Einstreu und Managementempfehlungen weiterzuentwickeln. Die Thematik wurde mit den Niedersächsischen Moschusentenhalterinnen und -haltern intensiv erörtert. Als Folge wurde eine Arbeitsgruppe außerhalb des Tierschutzplans etabliert. Sie definiert Anforderungen an die Haltung von Moschusenten unter Erfüllung der Europaratsempfehlungen (sogenannte „neue Moschusentenvereinbarung vom Januar 2013“). Seit dem 31.12.2013 soll dies eine problemlose Haltung von Moschusenten mit ungekürztem Schnabel ermöglichen.